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Kategorie: Projekte

Barriefreie Praxen in der ÄQW…

Im Rahmen der qualitätsorientierten Außendarstellung der ÄQW ist uns das Bemühen um eine möglichst große Anzahl barrierefreier Praxen wichtig. Unter Bezugnahme auf die Expertise der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wurde ein neues ÄQW-Praxissiegel: Barrierefreie Praxis – Ärztliche Qualitätsgemeinschaft Witten eingeführt. Hierdurch soll die Anzahl Praxen im Netz erhöht werden, die für Menschen mit Behinderungen besonders geeignet sind. Gleichzeitig ist es für die Außendarstellung der ÄQW wichtig, über eine große Anzahl barrierefreier Praxen zu verfügen.

Voraussetzung für die Gewährung dieses Zertifikats ist der Nachweis umfangreicher Anforderungen in den Wittener Praxen. Bei Erfüllung dieser Voraussetzungen kann das Praxissiegel über das Sekretariat bei der Geschäftsführung beantragt werden. Nach Prüfung im Rahmen einer Praxisbegehung wird die Anerkennung erteilt und das Qualitätssiegel zur Außenkennzeichnung für behinderte Patienten ausgehändigt.

Wundkonferenz der ÄQW

Die ÄQW hat in Witten bereits vor einigen Jahren eine fachübergreifende wöchentliche Wundkonferenz ins Leben gerufen, in deren Mittelpunkt die Diagnostik und Therapiebegleitung chronischer Wunderkrankungen mit Hilfe digitaler Fallakten steht. Behandelnde niedergelassene Ärzte haben die Möglichkeit, bei problematischen Wundheilungsverläufen einen Expertenrat zu befragen. Federführend in der Koordination der Wundkonferenz fungieren die Ärzte der ÄQW, unterstützt durch Spezialisten der Krankenhäuser sowie Pflegekräfte. Basierend auf den bisherigen Erfahrungen ist nun geplant, sämtliche Praxen der ÄQW in die Lage zu versetzen, ihre Patienten in den telematischen Behandlungsprozess einzubringen.

Hintergrund des innovativen Versorgungsmodells

In einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft bei steigender Multimorbidität nehmen auch chronische Erkrankungen zu. Bei der „Volkskrankheit“ Diabetes entstehen z. B. häufig chronische Wunden. Hierzu gehören u.a. das diabetische Fußsyndrom, Ulcus Cruris oder Dekubitus. Diese erfordern einen immer höheren medizinischen und pflegerischen Aufwand. Ein Großteil der Versorgung chronischer Wunden findet im hausärztlichen Bereich statt. Da Patienten mit chronischen Wunden häufig in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind, erfolgt die Behandlung oft nicht mit der erforderlichen Behandlungsfrequenz und der interdisziplinären Expertise. Strategien zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden und zur Vermeidung von Komplikationen und Amputationen sind also dringend erforderlich. Ein möglicher Optimierungsansatz ist hier die Telemedizin. Diese ermöglicht durch Fotodokumentation und Bildübermittlung sowie standardisierte Wundbeschreibung eine interdisziplinäre Beratung des behandelnden Arztes ohne die persönliche Anwesenheit des Patienten und des Arztes. Verlaufskontrollen und Anpassung der Behandlungsstrategie können erfolgen, ohne dass der Patient sich mehrmals bei einem oder mehreren Fachärzten vorstellen muss. Die Folge sind schnellere Wundheilung, Verminderung von Komplikationen und stationären Einweisungen. Um, trotz steigender Anforderungen und sinkender Ärztezahl, die hohe Qualität der Versorgung sicherzustellen, bedarf es einer immer engeren Abstimmung medizinischer und pflegerischer Dienstleistungen. Daher sollen auch Pflegeheime und Pflegedienste als zusätzliche Prozessbeteiligte einbezogen werden. Voraussetzung hierfür ist die Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten, die Unterstützung der Mitwirkenden in administrativen Fragen sowie die Steuerung und Koordination des gesamten Prozesses auch bei wachsenden Fallzahlen.

Therapieempfehlungen vom Expertenteam

Durch die verschiedenen Fachspezialisten des Expertenteams (Chirurgen, Diabetologen, Phlebologen/Dermatologen (alle ÄQW), Gefäßchirurgen u. a. spezialisierte Fachärzte beider Wittener Krankenhäuser, Pflegefachkräfte der Krankenhäuser und ambulante Pflegekräfte) wird die Behandlungssicherheit für die Patienten deutlich verbessert und der Wundheilungsprozess deutlich verkürzt. Wundkonferenz BeurteilungDie Koordination der Therapie erfolgt im Rahmen der gemeinsamen interdisziplinären Fallbesprechungen und sorgt, durch regelmäßige Wiedervorlage, für eine kontinuierliche Versorgungsqualität. Die gemeinsame Entscheidung zu Therapieempfehlungen basiert auf dem qualifizierten fachlichen Austausch. Der Einsatz der Telemedizin ermöglicht es, insbesondere bei den meist immobilen Wundpatienten, verschiedene Fachärzte sehr zeitnah in die Konsultation einzubeziehen. Die fundierte technische Absicherung des Telematikkonzeptes wird durch eine einheitliche Dokumentation abgerundet. Diese ist für die beteiligten Netzärzte und die beteiligten Praxen (unter Beachtung der Datenschutzaspekte) einsehbar. Die Diagnose- und Therapieprozesse sowie die Therapiesicherheit werden durch das Konzept nachhaltig verbessert und beschleunigt.

Hausarzt / Hausärztin als Koordinatoren des Prozesses

Bei allen o. g. Patienten ist der behandelnde Hausarzt (die Hausärztin) Koordinator zwischen allen an der Behandlung beteiligten Akteuren. Der Dialog zwischen Hausärzten, Fachärzten und Pflegekräften soll durch das vorgestellte Projekt deutlich verbessert und vereinfacht werden. Das hierzu eingesetzte Medium der Telemedizin wurde innerhalb der ÄQW zunächst in begrenztem Rahmen getestet. Bisher wurden, unter Einbeziehung von 6 Ärzten, ca. 800 Fälle im Rahmen der Wundkonferenz fachübergreifend behandelt.

Durch die Ausweitung des Konzeptes sollen zukünftig alle Ärzte der ÄQW die Möglichkeit erhalten, ihre Patienten durch telemedizinische Unterstützung und fachübergreifende kollegiale Beratung besser und zeitökonomischer zu behandeln. Darüber hinaus sollen die Wittener Pflegeheime (und in einem weiteren Schritt ambulante Pflegedienste) in die telemedizinische Prozesskette eingebunden werden. Geplant ist eine stufenweise Erweiterung des Projektes in 2016 und 2017.

Technischer Hintergrund

Grundlage der telemedizinischen Zusammenarbeit ist die Einholung einer Patienteneinwilligung. Die Wunde wird anschließend in der Praxis fotografiert. Die Aufnahme wird über eine gesicherte Datenverbindung auf einem zentralen Server abgelegt. Es besteht die Möglichkeit, weitere relevante Informationen in einem strukturierten Dokument (Wundbefundbogen) oder als Freitext abzulegen. Ergänzend können digitalisierte Dokumente (Arztbrief, Röntgenbilder, Laborberichte, Vorbefunde, Entlassungs-berichte etc.) mit der vorhandenen Dokumentation verknüpft werden.

Die bisher gewonnenen Erfahrungen sollen nun auf einen erweiterten Ärztekreis und den Bereich der ärztlichen Pflegeheimbetreuung übertragen werden. Wundkonferenz KameraPflegekräfte werden dadurch bei akuten Fragestellungen oder bei auftretenden Komplikationen in die Lage versetzt, mit dem (Fach-) Arzt auf innovative Art und Weise zu kommunizieren. Als Eingabegerät steht hierfür ein internetfähiger PC-Arbeitsplatz, ein Tablet-PC oder ein Smartphone zur Verfügung. Der betreuende Arzt ist in der Lage, die Umsetzung seiner Anordnungen zu überwachen. Ggfls. können weitere Ärzte (z. B. im Rahmen der Wundkonferenz) zur Fallbeurteilung hinzugezogen werden. Bei seiner Visite kann der betreuende Arzt Arbeitsanweisungen für die nachfolgende Pflege hinterlassen.

Das hier vorgestellte Projekt unterscheidet sich von den bisherigen Anwendungen dadurch, dass nun Pflegepersonal und Ärzte die individuellen Applikationen zusammen nutzen. Das Innovationspotenzial dieser Lösung liegt darin, dass vorhandene Leistungen und Akteure vernetzt werden. Hierdurch wird eine Leistungs- und Kompetenzbündelung geschaffen, die zu einer Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung führen. Bei der Gestaltung der Kommunikationslösung wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Art der Bedienbarkeit möglichst einfach und intuitiv erfassbar gestaltet wird. Die Akzeptanz der telemedizinischen Lösung spielt eine entscheidende Rolle. Bisherige telemedizinische Lösungen scheiterten oft an diesem Schlüsselfaktor. Eine wesentliche Rahmenbedingung bei der Umsetzung des Konzeptes ist die Sicherstellung des Datenschutzes für die ausgetauschten Daten. Die kontinuierliche Weiterentwicklung in diesem Bereich wurde schon in den bisherigen Prozessphasen akribisch verfolgt.

Gefördertes Projekt der KVWL

Unterstützt wird das vorgestellte Projekt von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die dieses mit der Anerkennung und Förderung als besonders innovatives Netzprojekt ausgezeichnet hat. Die Einzelheiten zur Förderung innovativer Netzprojekte in Westfalen-Lippe können einer KVWL-Veröffentlichung entnommen werden (die ÄQW wurde dort mit zwei Projekten ausgezeichnet), die über folgenden LINK abrufbar ist:

Netzmedikamentenplan der ÄQW

Die Ärzte der ÄQW verfolgen das Ziel, in den Praxen mit einheitlichen Medikationsplänen zu arbeiten, die sowohl den Patienten als auch den behandelnden Ärzten zur Verfügung stehen. Geplant ist eine EDV-gestützte Lösung, bei der die beteiligten Praxen miteinander vernetzt werden und somit auf einheitliche Medikationsdaten zurückgreifen können. Eine wesentliche Bedingung ist dabei die Sicherstellung des Datenschutzes für die ausgetauschten Daten.

Zielsetzung des Projektes:

  • Erhöhung der Patientensicherheit durch Verhinderung doppelt verordneter Wirkstoffe etc.
  • Vollständige Medikationsliste für die Patienten der ÄQW-Praxen
  • Tagesaktuell von jeder behandelnden Haus- und Facharztpraxis abrufbar und änderbar
  • Der Patient erhält seinen aktualisierten Medikationsplan „to go“
  • Eigenständiges Medikationstool neben der Patientenakte, unabhängig vom jeweiligen Praxisverwaltungssystem,
    aber mit diesem im Austausch
  • Selbstständiges Erweitern/Verändern des Medikationsplanes während der Verordnung im Praxisalltag
  • Zusätzlich Aufnahme von Medikamentenunverträglichkeiten und Allergien

Grundlage des innovativen Versorgungsmodells

Grundlage des vorgestellten Projektes ist ein IT-basierter Netz-Medikamentenplan, der mit dem jeweiligen Praxisverwaltungssystem im Austausch steht. Das bedeutet, dass die im PVS eingegebenen Verordnungen patientenbezogen an das Medikamententool übertragen werden. medications 1442283 1920Diese Daten werden, wenn der Patient eine andere am System beteiligte Praxis besucht, direkt zwischen den beiden Praxen ausgetauscht. Auf diesem Wege liegen allen behandelnden Ärzten zeitnah alle Verordnungen des Patienten inkl. Dosierung etc. vor. Innerhalb des Medikationsprogrammes werden bei neuen Verordnungen Hinweise auf Wechselwirkungen, Unverträglichkeiten u. ä. aufgezeigt, die auf aktuellen Medikamentendatenbanken basieren. Die Patienten stimmen der Nutzung ihrer Daten in diesem System ausdrücklich zu und erhalten einen ausgedruckten Medikamentenplan, der alle relevanten Informationen enthält.

Patientensicherheit und Therapiekoordination

Das geplante Konzept bietet durch die Transparenz für alle Beteiligten eine deutliche Verbesserung der Patientensicherheit und der Therapiekoordination. Die Entscheidung zur Verordnung bestimmter Medikamente wird durch umfangreiche Informationen unterstützt. Gerade älteren Patienten bietet die Lösung eine Erleichterung und Verbesserung ihrer Behandlung, da alle behandelnden Ärzte Kenntnis über die gesamte Medikation haben. Polypharmazeutisch behandelte Patienten können im kollegialen Austausch sicherer behandelt werden.

Die vorgesehene EDV-Lösung basiert auf einem hohen Sicherheitsstandard und bietet flexible Möglichkeiten der Dokumentation. Darüber hinaus werden dem Arzt Wechselwirkungen etc. automatisch aufgezeigt. Die Kooperation zwischen den beteiligten Ärzten ist Grundlage des gesamten Konzeptes.

Von der ersten Idee zur professionellen Umsetzung

Basierend auf den Ergebnissen einer Netzbefragung der ÄQW wurde vor einiger Zeit das Projekt eines gemeinsamen Medikamentenplanes gestartet. Neben dem Entwurf einer standardisierten Dokumentation hat sich eine Arbeitsgruppe der ÄQW mit der Frage befasst, ob eine EDV-gestützte Lösung ebenfalls möglich ist. In Gesprächen mit verschiedenen IT-Firmen wurde dabei auch eine mögliche Anbindung an die Praxis-verwaltungssysteme (PVS) geprüft. Es wurden komplett neu zu programmierende und bereits vorhandene Konzepte vorgestellt.

Die ÄQW hat sich schließlich für eine Software-Lösung entschieden, die hinsichtlich des Medikamenten-Tools überzeugte und einen Austausch aller verordneten Medikamente aus den verschiedenen Praxisverwaltungssystemen heraus ermöglicht . Ein wichtiges Entscheidungskriterium für das System war das zugrundeliegende Datenschutzkonzept, das darauf basiert, die Medikationsdaten nur zwischen den behandelnden Praxen auszutauschen und nicht in einem zentralen Rechner zu speichern.

Das ÄQW-Projekt wurde mit einer Auftakt-Informationsveranstaltung gestartet, an der die Inhaber und Mitarbeiter von 6 Praxen teilgenommen haben. Im Anschluss daran wurde in deren Praxen das Programm installiert und im Rahmen einer Pilotphase erste Erfahrungen mit dem System gesammelt. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Funktionalität des Programmes wurde beschlossen, das Konzept auf möglichst viele ÄQW-Praxen auszu-weiten. Weit über die Hälfte der ÄQW-Ärzte hat ihre Mitwirkungsbereitschaft bereits zu-gesichert. Nach Abschluss der Verträge mit dem Softwareunternehmen wird in Kürze die flächendeckende Einführung des Systems in Witten erfolgen. Das Netzmanagement der ÄQW übernimmt die Steuerung und Koordination, um die aktive Umsetzung des Projektes sicherzustellen.

Die Leistungsinhalte des Versorgungsmodells im Überblick:

Der behandelnde Arzt kann im Netzmedikamentenplan die Verordnungen seines Patienten wirkstoffbasierend mit Dosierungsangaben hinterlegen. Die verordneten Medikamente werden automatisch – soweit der Verordner diese Funktion zulässt – aus der Akte in den Netzmedikamentenplan übernommen. Jeder weiter behandelnde Kollege kann den vollständigen Netzmedikationsplan einsehen und seine Änderungen hinzufügen. Somit liegt eine vollständige Medikationsliste für jeden einzelnen Patienten bei allen Behandlern mit Angaben zu Wirkstoff, Dosierung, Verordnungsbeginn, Verordnungsende und Unverträglichkeiten vor. Der Patient kann von jeder behandelnden Praxis tagesaktuell seinen Medikationsplan „to go“ mitbekommen.

Die Vorteile des Versorgungsmodells im Überblick:

Jeder mitbehandelnde Arzt kann sich kurzfristig über alle verordneten Medikamente und bisher bekannte Unverträglichkeiten informieren. Jeder Arzt übersieht die vollständige Medikation seines Patienten (!). Deutliche Minderung der Gefahr von Doppelverordnungen und Fehlverordnungen. Verringerung von gesundheitsgefährdenden Wechselwirkungen, Medikamentenunverträglichkeiten und allergischen Reaktionen. Fachärzte erhalten wichtige Zusatzinformationen. Der Patient hat einen aktuellen Überblick über seine Medikation und kann diese bei Ärzten oder in Apotheken vorlegen.

Gefördertes Projekt der KVWL

Unterstützt wird das vorgestellte Projekt von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die dieses mit der Anerkennung und Förderung als besonders innovatives Netzprojekt ausgezeichnet hat. Die Einzelheiten zur Förderung innovativer Netzprojekte in Westfalen-Lippe können einer KVWL-Veröffentlichung entnommen werden (die ÄQW wurde dort mit zwei Projekten ausgezeichnet), die über folgenden LINK abrufbar ist: